Für viele war das alte Freibad Sommer
für Sommer die Kultstätte schlechthin.
Für Paul Haag aber war es zweieinhalb
Jahrzehnte lang das leben. Eine Zeit-
spanne, die man nicht vergisst: Obwohl
seit vier Jahren in Ruhestand schaute
der Bademeister auch diesen Sommer
ein paar Mal auf ein „B'süchle" in sei-
nem früheren Reich vorbei.
Hat, der gelernte Maler hier' doch tausende
Liter Farbe an Holzbaracken und Becken
verpinselt, ungezählte Spreißel aus Kinder-
füßen gezogen, übermütigen Jugendlichen
das Radio auf „Teppichlautstärke" gedreht,
Tonnen von Laub und Wasserflöhen aus
dem Becken gefischt und vor allem so man-
ches Menschenleben gerettet. Das schafft
Bindungen. Zwischen dem Meister, „sei-
nem" Bad und den Stammgästen.
Zum Abschied schenkten sie ihm ein
Foto-Album. Gerne blättert er heute auf
seiner Terrasse in Birkmannsweiler von
Bild zu Bild. Da ist Melanie Neuwirth, sie
hatte die Idee für das Album. Als Kind
konnte sie von der Wasserrutsche nicht ge-
nug kriegen, bis das Badehösle durchgerie-
ben war und sie zu Hause Arger bekam.
Später fiel ihr eines Tages auf Bahn zwei
beim Schwimmen, ein Mann auf - und sie
wusste sofort: „Der ist es! Tatsächlich
wurden die beiden ein Pair und heirateten.
Da im Album ist auch Lothar Mayer, der
alte CDU-Chef im Gemeinderat. Bahnen
schwamm er nie, schon gar nicht vorwärts
oder im Bruststil: Auf dem Rücken kraulte
er von Ecke zu Ecke uns. Becken. Daher
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heißt er „Carre-Schwimmer". Da ist Inge-
borg Kupper, „unsere Rekordschwimme-
rin". Jeden Tag zog sie 50-mal die Bahn
rauf und runter. Da ist Kinderarzt Dr. Ger-
hard Pampel, mit 92 Jahren der älteste
Stammgast. Da ist der frühere Bürgermeis-
ter Hans Wössner, der
seinerzeit immer mit
Familie kam. Und da
ist Oberbürgermeis-
ter Dr. Werner "
Schmidt-Hieber - im
Trenchcoat. „Ein
Zehnerkärtle hat er
bekommen,' aber zum
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Baden war er nie hier. Wer durch die
Drehtür an der Kasse ins Freibad-Reich
von Paul Haag ein-auf eine Blumenpracht,
die selbst einem botanischen Garten nicht
schlecht anstehen würde. „Der Eingangs-
bereich ist wie eine Visitenkarte", findet der
heute 67-Jährige. Folglich hatte auch der
heilige Rasen" um das Blüten-Arrangement
herum picobello
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auszusehen. Zerknüllte Papierfetzen und
abgelutschte Eisstiele waren dort fehl am
Platz. Die Liegewiese war ja groß genug,
keine Frage. Ein wahrer Landschaftspark.
Trotzdem: In den Siebzigern, als in man-
chen Sommern über 200 000 Besucher ins
Freibad drängten, war stellenweise kaum
noch Platz für ein Handtuch.
Anders als heute kamen früher viele im
Sonntagsanzug ins Bad und gaben ihren
feinen Zwirn bei einer Garderobendame ab.
Mancher vergaß dabei, überhaupt eine Ba-
dehose anzuziehen und trat nackernd ins
Freie. Höflich sagte Haag: „Gucked Se mol
an sich, ronder! " Erschrocken antwortete
ein Herr: „Um Himmels Willen, Sie haben
meine Ehre gerettet!"
Ein bei Buben beliebter Jux war's, die
Holzkabinen von innen zu verriegeln und
dann oben durch den Spalt zu flüchten. Der
Bademeister musste eine Leiter nehmen
und den Riegel mit einem Beckenschrubber
wieder öffnen. Aber einem der Burschen ge-
schah ein Missgeschick: Als er aus der Ka-
bine hüpfte, brach der Bretterboden durch.
Zum Glück war ein Gummiboden drüber
gelegt. Haag: „Sonst wär' er unten im Keller
in meinen Farbkübeln gelandet."
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